Auf der Suche nach dem Haar in der Suppe

Von Doping bis Mord – so geht es auf einer Hundeschau zu – diesen reißerischen Artikel bekam ich heute von meiner Tochter gezeigt. Hinzu kommen Petitionen z. B. in Facebook gegen einzelne Teilnehmer der großen Hundeausstellung Crufts in England. Lauter Tierquäler, möchte man denken, was für eine schreckliche Veranstaltung. Nun war ich auch in diesem Jahr wieder selbst dort und frage mich, ob ich vielleicht woanders war. Tausende von Teilnehmern und ebenso viele Besucher feierten da ein Festival rund um den Hund. Und bei diesen vielen Menschen und Hunden gab es sicher einzelne, die sich nicht korrekt verhielten. Das soll und muss sicher geahndet werden.

Trotzdem frage ich mich, warum es immer die spektakulären und möglichst negativen Dinge sind, die den Eingang in die Öffentlichkeit finden und in den sozialen Medien diskutiert werden. Sicher ist dies einerseits verständlich. Wer macht schon einen Bericht über die reizenden, älteren Ladies, die sich um ‚Greyhounds in Not‘ kümmern. Das ganze Jahr wird diese Veranstaltung von ihnen liebevoll vorbereitet und sie sind mit ganzem Herzblut dabei. Allzu gern präsentiert auch eine freundliche Mitarbeiterin der ‚Spaniels in Not‘ einen Vertreter dieser Rasse und wirbt für die gute Sache. Auf einer der hölzernen Hundeboxen sitzt die Besitzerin eines Golden Retriever mit ihrem Hund auf dem Schoß. Rund um die Rückwand der Box hat sie Karten geklebt, auf denen ihr Freunde und Bekannte Glück wünschen für eine der zahlreichen Wettbewerbe, ob im Agility, Obidience oder Dogdancing. Sie ist sehr stolz, hier teilzunehmen. Genauso wie die Mitglieder einer regionalen Gruppe von Englisch Staffordshire Terrier Besitzern, die im Ehrenring ihre Hunde genauso präsentieren wie eine lokale Polizeihundestaffel. In anderen Ringen gibt es Einführungen in alle Arten von Hundesport – vorgestellt natürlich auch von ehrenamtlichen Menschen mit Freude an der Sache.

Spricht man jemanden auf seinen Hund an, wird man sofort in ein Gespräch verwickelt und in die Vorzüge dieser speziellen Hunderasse (und natürlich in die, dieses ganz speziellen Hundes) eingeweiht. Neben den offiziellen Wettbewerben gibt es noch jede Menge anderer, in denen es um nichts anderes geht als um die Ehre. So präsentieren sich beispielsweise auch verschiedener Picking-Up-Gruppen (Hundeführer, welche auf einer bestimmten Jagd mit ihren Hunden arbeiten). Stolz zeigen sich beispielsweise Weimaraner, Irish Waterspaniel und Golden Retriever vereint mit ihren Besitzern, die sich für diesen Tag eine einheitliche Kleidung zugelegt haben und der 10-jährige Sohn präsentiert als „Nummern-Girl“ein Schild mit dem Namen der entsprechenden Jagdgesellschaft.

Berichtet wird auch nicht über die ausländischen Teilnehmer am offiziellen Rassehundewettbewerben, die hier aufgeregt ihren im Heimatland erfolgreichen Hund das erste Mal auf Crufts präsentieren, oder über den Wettbewerb: Bester der Gruppe, in dem sich am Abend einer grossen Arena im Scheinwerferlicht mit vielen Besuchern die jeweils Besten der einzelnen Rassen zeigen. Da ist es ein wenig wie beim Fußball: man fiebert mit „seiner“ Rasse und ist spannend bis zu Ende.

All dies ist keine Schlagzeile wert. Das ist schade – wie so oft im Leben. Wer immer nur nach dem Haar in der Suppe sucht, merkt am Ende gar nicht, wie gut sie schmeckt.

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