Babette außer Rand und Band

Erwartungen und Wirklichkeit klaffen im Leben immer ein wenig auseinander. Bei Hunden ist das nichts anderes. Als ich mir vor einem Jahr schließlich einen Welpen aussuchte, hatte ich eine ganz klar Erwartung: dieser Golden würde einfach perfekt sein. Sie würde sehr gut aussehen, ganz hervorragend arbeiten, hätte ein tolles Wesen und wäre ein Quell permanenter Freude im Alltag und im Leben. Kurzum absolut realistisch.

Nach einem Jahr kann ich nur sagen – ganz so ist es nicht gelaufen. Zur Zeit liegt Babette gerade hinter mir auf einem neuen, sehr schönen Kissen und schläft. Sie sieht einfach reizend aus. Leider ist das teure Kissen unter ihr nicht ganz unversehrt. Innerhalb nur weniger Minuten hat sie es an einer Seite angekaut bis auf die Füllung, die sie dann sorgfältig herauszog. Ein wenig feucht ist sie auch noch, denn sie musste nach dem Spaziergang geduscht werden wegen akuter Geruchsbelästigung. Und zwischendurch muss ich das Fenster öffnen, denn sie pupst. Das ist nicht besorgniserregend bei ihrem Fressverhalten. Sie frisst draußen einfach alles. Pflaumen (ja, mit Kern, leider), Äpfel, Birnen, Beeren, Pferdeäpfel, Silage, Zuckerrüben und auch Mäuse. Beim eigenen Futter dagegen ist sie doch eher wählerisch. Eine Weile hat sie mit Manou getauscht und deren Portion mit Begeisterung gefressen, die allerdings mit ihrer eigenen völlig identisch war, aber wohl doch ganz anders schmeckte.

Bei ihrer Ankunft war sie gelinde gesagt zurückhaltend, inzwischen jedoch wird sie Fräulein Distanzlos genannt. Besonders meinen Mann springt sie gern aus vollem Lauf an und sie wirft sich auch ohne Hemmungen direkt auf Lukas, wenn der auf seinem Bett liegt. Das tut sie auch bei den Rüden ohne jede Zurückhaltung. Bei Manou und mir hält sie sich etwas zurück und so muss ich mich nur bei den anderen entschuldigen.

Dafür hat unser Haus in ihrem ersten Lebensjahr sehr gelitten. Kein anderer unserer vielen Hunde hat ein derartiges Zerstörungsprogramm abgespult. Von der abgerissenen Tapete bis hin zu herausgegrabenem Putz aus den Wänden, zerkaute Teppiche und ganz zu schweigen von den vielen, zusätzlichen Putztagen, weil sie mal wieder den Garten hereingebracht hat. Einige Male bin ich in diesem Sommer in die Dornen von Rosenzweigen getreten, die Babette mit Begeisterung kaut – auch eine Neuheit.

Dennoch, um mit Rosenstolz zu sprechen: Manchmal sind die Dinge gar nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe, sondern besser – das gilt auch für Babette. Sie hat ein sehr helles Gemüt und bringt mich immer wieder zum Lachen. Sie ist clever, lernt sehr schnell. Sie ist sensibel (ja, Gereon, das ist sie), freundlich zu jedermann und, wie mein Mann zu sagen pflegt, ein echtes Törtchen. Das finden wohl auch die anderen Rüden, denen sie mühelos den Kopf verdreht. Mein Sohn meint, das läge an ihrem Klasse-Po, wenn sie so vor einem herwedelt. Und der ist 16 und muss es schließlich wissen….

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