Besser mal die Klappe halten – oder nicht?

Kennen Sie das auch? Sie sehen jemanden mit seinem Hund und das, was da geschieht, geht Ihnen total gegen den Strich. Was dann? Ansprechen oder einfach ignorieren? Das ist gar nicht so einfach. So sehe ich beispielsweise bei unseren Spaziergängen immer wieder einen jüngeren Mann, der seinen kleineren, ruhigen und eher zurückhaltenden Hund immer an der Flexileine führt. Immer dieselbe Strecke am Ortsrand. Und jedesmal sieht er während der gesamten Strecke in sein Handy. Es ist schon ein Wunder, dass er nicht zwischendurch mal gegen einen Mast oder Baum läuft. Der Kontakt zu dem Hund geschieht dadurch, dass er die Flexileine mal länger und mal kürzer stellt. Nein, das ist kein Fall für den Tierschutz. Aber ganz sicher hat er den tieferen Sinn des Wortes Hunde-Spaziergang nicht wirklich verstanden.

Da gibt es den jungen Boxer, freundlich, temperamentvoll und verspielt, der an einem Stachelhalsband geführt wird. Warum? In diesem Falle konnte ich mich nicht zurückhalten, als der Hund mich wedelnd begrüßte. Ein solches Halsband kann für den Hund ziemlich schmerzhaft sein, das kann man an sich selbst ausprobieren. „Aber der hat doch Fell und ist so wild!“ Das ist nicht wirklich ein gutes Argument, denn dem kurzhaarigen Boxer hat noch nicht einmal Unterwolle. Und wie wäre es mit dem Besuch einer Hundeschule… Oder der 3-monatige Welpe, der während einer Jagdmesse auf unserem Stand aus Erschöpfung buchstäblich zusammenbrach. Gibt es einen Grund, mit einem so jungen Hund über Stunden durch überfüllte Messehallen zu laufen? Das Argument, der Hund müsse schließlich was erleben und so sozialisiert werden, erschließt sich mir nicht richtig.

So manche Hundeausstellung ist eine wahre Fundgrube mit Aufreger-Potential. Das stehen völlig veränstigte Hunde herum, deren Schwanzspitze schon den Bauch berührt, müssen aber trotzdem dabei sein. Und warum toben sich so manche Menschen mit einer wohl geheimen Bessenheit zum Frisieren an ihren Hunden aus? Ganz abgesehen von den armen Kreaturen, die da manchmal gezüchtet werden. Wie meinte meine Tochter, als sich sich eine Gruppe im Ehrenring ansah: „Von denen sehen ja nur noch zwei wie richtige Hunde aus!“ Ich will nicht weiter über Hunde sprechen, die an sportlichen Wettbewerben teilnehmen und je nach Leistung ziemlich massiv unter der Enttäuschung ihrer Besitzer leiden müssen.

Manchmal hält es mich dann nicht mehr und ich muss die Leute einfach ansprechen. Sehr zum Leidwesen meiner Familie, die das verständlicherweise peinlich findet. Ändern werde ich wahrscheinlich nicht viel. Aber besser wird es durch Wegschauen auch nicht. Und vielleicht kann man ja mit dem ein oder anderen in ein Gespräch kommen…

Foto: © ultramarinfoto / iStockphoto

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