Das Dilemma mit der Fleischeslust – nichts für Vegetarier

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich essen gerne Fleisch. Ein gutes Steak, Lammspieße, ein leckeres Hühnchen, da kann ich einfach nicht widerstehen. Andererseits mag ich Tiere. Und hier auf dem Land begegne ich ihnen auch noch. Für Schafe beispielsweise, die mit ihren Lämmern über die Weide hoppeln, habe ich ein echtes Faible. Aber auch Rinder sind sehr angenehme Tiere, die zum Zaun kommen, wenn wir vorbeigehen. Letzlich las ich einen Artikel darüber, dass es ganz von der Kultur abhängt, welche Tiere als essbar betrachtet werden. So wird in manchen Ländern Pferd gegessen oder gar Hund, was uns eher mit Grausen erfüllt. Andererseits liegen unsere Vierbeiner auf dem Sofa, während die im wahrsten Sinne des Wortes armes Schweine bis zur Schlachtung vor sich hin vegetieren. Zusammengefasst: ich bin ein Fleischesser mit schlechtem Gewissen. Nun haben doch einige meiner Bekannten die Fleischbeschaffung in eigene Hände genommen und halten selbst Tiere. Und Achtung, hier sollten Vegetarier und zart besaitete Seelen besser nicht weiterlesen. So hat eine meiner Bekannten Hühner und Enten. Die treffen als flauschige Kugeln ein und leben dann ein gut behütetes Leben. Sie bewegen sich frei auf dem Gelände, werden artgerecht ernährt, keinerlei Antibiotika oder andere Medikamente und haben zum Schlafen sogar eine Luxusunterkunft. Die Hunde nehmen sie hin als Mitbewohner. Am Ende des Sommers allerdings werden sie geschlachtet. Auch streßfrei, denn schon lange werden sie nicht mehr zum Schlachter gebracht und dafür in einen Karton gesperrt. Anschließend ausgenommen und gerupft, inzwischen mit verbesserter Vorgehensweise, eine „Entfederung“ mit Wachs sozusagen.

Als ich das meinen Kindern erzählte, meinten die nur: „Oh nein, die armen Enten!“ Ganz ehrlich, einen Anflug dieses Gedankens hatte ich auch. Die Hühner können fröhlich immer weiter Eier legen, die Hähne jedoch haben mit fortschreitendem Alter die völlig natürlich Angewohnheit zu krähen. Leider finden Nachbarn heutzutage das ganz und gar nicht natürlich, zumindest nicht bei Sonnenaufgang. So gehen auch sie den Weg allen Fleisches, zugegeben ziemlich sexistisch. Der verbliebene Hahn jedoch scheint und kleveres Kerlchen zu sein, denn er hält einfach die Klappe. Diesen Ratschlag gebe ich übrigens auch dem Hahn, den wir beim Spaziergang begegnen, aber der hat wohl ein toleranteres Umfeld.

Eine andere Bekannte hat Schafe. Die erleben eine gutes Zeit, nur überwintert wird in der Gefriertruhe. Ein weiterer Bekannter erzählte mir von einem Besuch auf einem Hof. Gemeinsam mit einem noch sehr jungem Mann saß er am Computer, als die freundliche Großmutter hereinkam mit einem Huhn unterm Arm und den Enkel bat: „Machst du mal eben…“. Der stand auf, verschwand für kurze Zeit auf dem Flur, kam mit einem toten Huhn wieder herein und setzte sich dann ungerührt wieder an seinen Computer. Diese Form der absolut selbstverständlich erscheinenden Fleichbeschaffung ließ meinen Bekannten einigermaßen fassungslos zurück.

 

Ja, so ist das. Nun haben wir beileibe genug Gelände, um zahlreiche Tiere zu halten. Problemlos ließen sich Hühner, Enten, Schafe, sogar Schweine bei uns unterbringen. Aber zum einen bin ich mir nicht sicher, wie meine Hunde beispielsweise auf Federvieh reagieren würden, wenn das hier einfach so durch die Gegend liefe. Oder sagen wir anders: ich befürchte das Schlimmste. Und wenn bei uns zwei reizende Lämmer einzögen und ich sie dann der Nahrungskette zuführen würde, mein Sohn zumindest wäre mit einer Sitzblockade dabei. Ganz abgesehen davon, dass ich selbst wahrscheinlich auch zu verweichlicht bin, um ein reizendes, wolliges Schäfchen namens Greta – denn Namen hätten sie – einfach zu schlachten. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich das Fleisch gerne abgepackt und küchenferig vorbereitet in der Kühltruhe kaufe. Aber an solchen Tagen, an dem ich mir Gedanken mache über meinen Fleischkonsum, gibt es bei uns eher ein vegetarisches Gericht. Und mein Sohn, der große Tierschützer, stöhnt dann: „O nein, bloß kein Gemüse!“ Und so zeigt sich bei ihm beispielhaft auch mein Dilemma in diesem Punkt. Aber die Ente meiner Bekannten werden wir mit Genuß und gutem Gewissen essen. So wie meine Hunde, die Fleisch in jeder Form absolut ohne Reue konsumieren…

Fotos: © morelia1983, Jan Schuler - Fotolia.com

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