Der verschwundene Hund

Als ich vor zwei Tagen aus dem Büro nach Hause gehen wollte, war meine Hündin Manou nicht da. Ausgerechnet Manou, die ordentlichste unter unseren Hunden, die immer im selben Korb in meinem Büro liegt und dort ganz ruhig schläft. Das kommt wirklich so gut wie nie vor. Am Morgen kommt sie mit mir, macht sich dann erst wieder gegen Mittag bemerkbar und ist auch nach dem Spaziergang pünktlich wieder zur Stelle. Als sie weder im Wohnhaus noch in unserem Garten auffindbar war, war ich ratlos. Ehrlich gesagt, eher in Panik.

Nun bin ich mit Phantasie gesegnet, eigentlich ein angenehmer Umstand. In solchen Situation jedoch neige ich dazu, mir jede nur erdenkliche Katastrophe sehr bildlich auszumalen. Hatten wir sie vielleicht beim Spaziergang nicht wieder ins Auto gepackt? Sehr unwahrscheinlich, noch nie vorgekommen, aber dennoch. Hinzu kommt, dass Manou mit ihren neun Jahren jetzt offiziell ein Veteran ist, das aber selbst nicht weiß. Da sagt man seinen Welpenkäufern immer, die Hunde werden mit der Zeit schon ruhiger, aber das trifft nicht immer zu. Zumindest nicht auf Manou draußen. Wir haben den Verdacht, dass sie irgendwo heimlich einen Vorrat an Energy-Drinks bunkert. Zudem waren wir an einem Bach und Manou neigt dazu, schon mal der ein oder anderen Bisam-Ratte zu jagen, die dort die Uferböschung zerstören. Oder sich in einen dichten Altholzhaufen hineinzugraben, wenn sie etwas darin vermutet. Also ertrunken? Oder sie steckt irgendwo fest? Verletzt vielleicht… Bisher jedoch konnten wir uns immer darauf verlassen, dass sie pünktlich wie ein Uhrwerk am Auto steht, wenn wir nach Hause fahren wollen.

Andererseits stand die Tür zum Hof offen. Vielleicht ist sie nach draußen gelaufen? Auch das tut sie nie. Und andere Hunde können sie kaum locken, sie ist mit ihrem eigenen Rudel völlig zufrieden. Fremde Menschen auch eher nicht. Sie versichert sich schon immer bei mir, ob sie den Anforderungen meines Mannes folgen soll. Trotzdem, mit fortschreitendem Alter hat sie auch ein Gefühl für ihr Territorium entwickelt. Die Pferde auf der angrenzenden Weide beispielsweise werden bellend verscheucht, wenn sie zu nah am Zaun sind. Was nur mäßig gelingt. Als sich jedoch letztens ein Hund ein paar Schritte auf unseren Hof verirrte, machte sie ihm schnell und effektiv klar, dass dies absolut unerwünschtes Verhalten war, ohne sich lange mit Drohgebärden aufzuhalten.

Also, was nun? Hinsetzen, Ruhe bewahren, nachdenken. Spazierweg abfahren, in der Umgebung suchen, im Tierheim und bei der Polizei anrufen. Eine Eingebung sagte mir, vorher doch mal im Auto nachzusehen. Und tatsächlich, da war sie denn auch. Froh, befreit zu werden, jedoch völlig unversehrt und energiegeladen. Wir hatten den Kofferraum nach unserer Rückkehr offengelassen, um das Auto zu trocknen. Wahrscheinlich war sie auf dem Weg ins Büro hineingesprungen, wie immer bereits für eine neue Runde. Ich habe es nicht bemerkt. Und eines meiner Kinder hat dann im Vorbeigehen die Tür geschlossen. Ganz harmlos also. Aber gut, dass es nicht mehr Sommer ist. Denn auf diese Weise hätte der Vorfall im überhitzten Auto eine ganz andere Wendung nehmen können und so etwas haben wir schon einmal mit einem anderen Hund erlebt. Noch mal gutgegangen und zum Schluss die allseits gebräuchliche Ausrede: Das hat sie aber noch nie gemacht…

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