Hunde blamieren sich nicht – dafür ihre Besitzer

Ich erinnere mich noch an die allererste Prüfung, die ich mit meinem allerersten Hund gemacht habe. Mein Mann hatte mit seiner Hündin vorgelegt, und beide waren absolute Streber. Meine Hündin war allerdings das Gegenteil davon, sehr eigenwillig und triebstark, ich dagegen noch sehr unerfahren. Und diese Prüfung war eine Katastrophe, ganz frei nach dem Motto: Schlimmer geht immer. Sie machte eigentlich alles falsch, was überhaupt möglich war. Und ich habe mich in Grund und Boden geschämt, eine absolute Blamage, vergleichbar nur mit dem Tag, als ich bei einem Theaterauftritt einmal vollständig den Text vergessen hatte. Es hat eine ganze Weile und mehrere Hunde gedauert, bis ich vor solchen Prüfungen nicht mehr schlaflose Nächte hatte und vor lauter Aufregung kaum Luft bekam. Und natürlich wurden auch die Momente immer mehr, in denen wirklich alles klappte und das war ein tolles Gefühl, für meinen Hund und mich.

So kann ich mich gut in die Lage von Menschen versetzen, die beispielsweise das erste Mal ihren Hund auf einer Hundeausstellung zeigen. Immer wieder hat man gesagt bekommen, wie gut der eigene Hund doch aussieht und für einen selbst ist er sowieso der Schönste. Und warum sollte man sich das nicht mal „offiziell“ bestätigen lassen und meldet sich an. Der Richter wird die Qualitäten schon erkennen. Dort angekommen, schaut man sich das Vorgehen an. Die anderen Hunde sind entspannt, der eigene fürchterlich aufgeregt. Der Ablauf ist noch ein wenig verwirrend, wo sich hinstellen, wie laufen, was wird eigentlich erwartet. Und so langsam dämmert es, dass man sich die ganze Sache leichter vorgestellt hat. So steht man denn, ein erwachsener Mensch mit Berufsausbildung und Lebenserfahrung, in einem Ring umgeben von gut erzogenen, perfekt gebürsteten und auch sehr gutaussehenden Vierbeinern und hat plötzlich das Gefühl, wieder 10 Jahre alt zu sein und vor der Klasse mündlich geprüft zu werden in einem Fach, für das man nun eindeutig nicht gelernt hat. Die anderen stehen ruhig vor ihren Besitzern, wedeln und zeigen sich von ihrer besten Seite. Der eigene Hund jedoch ist gerade ganz im Spielmodus, hüpft auf und ab und hat zudem im Vergleich zu den anderen offensichtlich einen Frisörtermin verpasst. Wenn man an der Reihe ist, springt der Hund erst mal an dem Beurteiler hoch und will sich dann auf keinen Fall in die Zähne sehen lassen. Verständlich, dass es dann jedoch einen kleinen Ringkampf braucht, bis der Hund auf dem Rücken freudig seinen Bauch zeigt, während der Richter mit den Knien im Gras versucht, dennoch einen Blick auf das einwandfreie Gebiß zu erhaschen, geht ein wenig zu weit. Nun soll man auf und ab laufen und obwohl der eigene Vierbeiner sonst ganz manierlich an der Leine läuft, besinnt er sich in diesem Moment auf ein kleines Zerrspiel mit der Leine. Das Laufen gerät zur absolut schweißtreibenden Angelegenheit. Das gilt auch für eine gemeinsame Runde mit den anderen Hunden, die an loser Leine nur so durch den Ring gleiten, während der eigene beschließt, dies sei der richtige Moment, um mit den anderen zu spielen und im vollen Galopp nach vorne stürmt. Am Ende dieser Angelegenheit hat man keinen Sinn mehr für das begehrte Treppchen, sondern ist nur noch froh, diesen Ort verlassen zu können und fragt sich, wie man nur auf eine solche hirnverbrannte Idee gekommen ist. Schließlich liest man den Bericht und bekommt doch noch bescheinigt, dass man einen schönen Rassevertreter an der Leine hat und die Empfehlung, doch noch ein wenig zu üben.

Vielleicht trifft man an diesem Tag noch freundliche Menschen, die gute Tipps geben. Vielleicht packt einen der Ehrgeiz, vielleicht auch die Lust an der Sache. So ist es mir ergangen und ich habe es nicht bereut. Oder Sie trösten sich mit dem Gedanken, dass ihr Hund zumindest eine gute Zeit hatte. Beim zweiten Mal läuft es nämlich schon viel besser, üben und Erfahrung helfen bei jeder Aufgabe, die man sich mit seinem Hund stellt. Vielleicht sagt man auch, nie wieder und genießt statt dessen die gemeinsamen Spaziergänge. Auf jeden Fall aber ist Humor die Lösung, eine vermeintliche Blamage verwandelt sich dann nämlich in eine Erzählung, über die sich herzlich lachen läßt. Und das sollte man, denn schließlich sind alle Dinge, die wir mit unseren Hunden tun, eine Freizeitbeschäftigung. Für das alltägliche Leben und natürlich das Weltgeschehen hat es keinerlei Bedeutung, welcher Hund nun der Schönste ist, wer am besten grüne Leinensäckchen trägt, am besten über Hindernisse springt, oder vielleicht doch…

Foto: © Richard Paul - Fotolia.com

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