Hundeerziehung- & Training- damals und heute

Als wir vor 30 Jahren mit unserem ersten Hund die Ausbildung für die Jagd begannen, Bestand unser Trainer auf zwei Dingen: Ein Stachelhalsband und Zwangsapport. Und beides haben wir dann auch ​(dummerweise) ​genutzt und getan. Allerdings nur sehr kurze Zeit, denn der Hund war eine sehr arbeitswillige, sanfte Labrador-Hündin, die von sich aus alles zuverlässig apportierte. Zwang brauchte man in ihrer Ausbildung eigentlich fast gar nicht und uns erschien ein Stachelhalsband völlig überflüssig. Der Trainer war zufälligerweise übrigens ein Engländer, der in Deutschland lebte. Zu dieser Zeit war Härte in der Hundeerziehung völlig normal, ebenso körperliche Bestrafungen.

Heute trainieren wir in einem Hundesportverein. Dort ist jegliche negative Einwirkung absolut verpönt. Ein simples „Nein“ wird so gerade noch geduldet. Eine straffe Leine ist dagegen schon Tierschutz-relevant.

Es hat sich also einiges verändert in der Hundeerziehung und im Training in den letzten Jahren. Letztendlich mag man meinen, dass es sich geradezu in sein Gegenteil verkehrt hat. Vieles hat sich meines Erachtens zum Besseren gewandelt. Die einseitige gewaltvolle Zwangserziehung wurde doch oft sinnlos, moralisch nicht vertretbar und dazu noch oftmals wenig effizient. In den letzten Jahrzehnten ist doch vieles zum Lernverhalten von Hunden erforscht worden, dass zudem eine solche einseitige Erziehung überflüssig macht. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass viele Hundebesitzer dennoch ziemlich unsicher sind über den „richtigen Weg“. Hinzu kommt, dass doch einige Methoden als die einzig wahre angepriesen werden mit fast religiöser Inbrunst.

Wir waren in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten bei vielen verschiedenen Trainern aus unterschiedlichen Ländern, die viele verschiedene Vorgehensweisen hatten und wir haben von jedem einzelnen profitiert. Letzt​lich jedoch waren zwei Erfahrungen für uns wegweisend.

So erlebte ich vor einigen Jahren, wie ein anerkannter Trainer und sehr erfolgreicher Hundeführer seinen Hund nach Abschluss der Prüfung auf dem Parkplatz übel und zudem noch völlig sinnlos schlug. D​ies​er hatte nicht so abgeschlossen wie erwünscht. Und so bin ich erst mal kritisch, egal wie erfolg- und einflussreich oder bekannt jemand sein mag.

Zum anderen sind wir in der glücklichen Lage, dass mehrere Hunde bei uns leben und wir zudem noch Welpen aufgezogen haben. Das Verhalten der Hunde untereinander ist ein hervorragender Lehrmeister, auch in der Aufzucht junger Hunde. Und Hunde sind im Umgang direkt​ -​auch körperlich​ -​ aber klar in ihrer Aussage. Dabei sind sie nicht unbedingt fair oder konsequent. Für einen Welpen macht es einen großen Unterschied, ob der erwachsene Hund gerade in seinem Korb nicht gestört werden will oder aber zum Spiel aufgelegt ist. Das lernt er schnell. Dafür sind sie allerdings auch tolerant gegenüber den unterschiedlichen Eigenheiten und teilweise erstaunlich fürsorglich untereinander.

Und so hat sich für uns die Maxime entwickelt, dass wir jeder Trainingsmethode und Trainer eine Chance geben. Orientiert sich diese daran, wie auch die Hunde miteinander umgehen und kommunizieren? Ist der Vorschlag so, dass die Hunde und wir davon profitieren und es funktioniert, ist das eine gute Vorgehensweise für uns. Wenn nicht, dann nicht. Für uns ist Hundeerziehung und –ausbildung keine Ideologie oder gar Religion. Gr​undlage ist das Wissen und der Respekt für das Wesen des Hundes und das Ziel, dass Mensch, Hund und die Umgebung gleichermaßen gut miteinander leben können und die verschiedenen Bedürfnisse in angemessener Weise befriedigt werden. Foto: © melounix / Fotolia.com

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