Irgendwas stimmt nicht mit Manni

„Irgendwas stimmt nicht mit Manni!“ sagt mein Mann während des Abendessens und sofort richten sich vier Augenpaare auf Manfred, den Golden. Der liegt in einiger Entfernung vom Tisch und etwas stimmt wirklich ganz und gar nicht. Normalerweise sitzt er nämlich in direkter Tischnähe und versucht alles, um etwas von unseren Tellern direkt in sein Maul zu hypnotisieren. Leicht hechelnd und sehr konzentriert. Heute nichts davon. Also wird er sofort einer Untersuchung unterzogen. Fieber – keines. Der Bauch ist weich. Aber er wirkt dennoch so, als hätte er Schmerzen. Aufstehen kann er problemlos, aber seine Rute bleibt unten. Wo tut es denn weh – in solchen Momenten wünschte ich mir wirklich, dass Hunde sprechen könnten. „Geht am besten zum Tierarzt.“, meint mein Sohn, der immer sehr mitfühlend ist, aber auf keinen Fall in irgendwelche medizinischen Behandlungen einbezogen werden möchte.

Natürlich ist Sonntag, der bevorzugte Wochentag für Erkrankungen. Manfred war auf dem Nachmittags-Spaziergang noch voller Energie und auch jetzt sind keine lebensbedrohlichen Zustände erkennbar. Ein untrügliches Gefühl macht noch keinen Notfall und der arme Mann hat sein Wochenende verdient. Also erhöhte Beobachtung bei Manfred und er wird vor den Fernseher beordert. Doch auch da bleibt er nicht lange, denn er liegt gerne kühl, am liebsten direkt auf den Fliesen. Gegen 22 Uhr ist keine merkliche Verschlechterung eingetreten außer der Tatsache, dass er sich hinten leckt. Das hätte uns stutzig machen müssen.

Aber erst gegen Mitternacht weckt mich mein Mann mit der Mitteilung, dass Manfred unter der Rute ganz blutig sei. Sofort bin ich hellwach und in absoluter Alarmstimmung. Nun wird er genau untersucht und es stellt sich heraus, dass ein Abzess an der Analdrüse aufgeplatzt ist. Davon war am Abend noch nichts zu sehen. Das sieht zwar schlimm aus, ist jedoch für ihn eine Verbesserung, da das Sekret abfließen kann und nicht mehr so schmerzt. Also wird er gereinigt und die Stelle desinfiziert. Der Schock weicht ein wenig der Erleichterung, endlich die Ursache für sein Unwohlsein herausgefunden zu haben. Nun folgt eine unruhige Nacht – für uns Menschen allerdings mehr als für Manfred, der sich auf dem Sofa zusammengerollt hat. Der Tierarztbesuch am nächsten Morgen bringt Klarheit: eine einseitige bakterielle Entzündung der Analdrüse, die innerhalb kürzester Zeit geschieht und dem Hund massive Schmerzen bereitet. Mit der passenden Behandlung jedoch ist es bald wieder gut und an diesem Tag schon wedelt er wie gewohnt. Und wir haben gelernt, dass es nach all den Jahren mit Hunden immer wieder etwas Neues gibt – angenehme aber auch unangenehme Überraschungen…

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