Lassen Sie sich anstecken

Es ist Sonntag, eigentlich der Tag für einen ausgedehnten Hundespaziergang. Und es regnet seit Stunden. Hilft alles nichts, rein in die Ganzkörperverhüllung. Nicht unbedingt die passende Kleidung, um jemand zu treffen, den man schon immer mal kennenlernen wollte. Andererseits – so wird man auch kaum erkannt. Es gibt einen großen Vorteil bei diesem Wetter: kein Mensch weit und breit in der Feldmark, noch nicht einmal andere Hundebesitzer. Und so wird der Spaziergang dann doch noch ganz schön: die Hunde können sich ungestört austoben und finden, dass bei Regenwetter unbedingt noch ein Bad im Bach notwendig ist. Kein einziges Kommando ist nötig während der gesamten Strecke. So kommt man als Mensch einigermaßen trocken wieder nach Hause und nach weiteren Minuten für die Hundetrocknung kann man sich schließlich mit einem heißem Getränk auf die Couch setzen, in dem guten Gefühl, das verdient zu haben.

In diesem Moment wird klar, dass die ganze Familie ausgeflogen und man ganz allein ist. Zudem keine Termine, keine Verabredungen – nur Möglichkeiten. Die Hunde haben sich es natürlich auch im Zimmer gemütlich gemacht in den unterschiedlichen Stadien der Entspannung, auf dem Rücken liegend oder seitlich ausgestreckt oder auch zusammengerollt verteilt auf Sofas und Körbe. Es ist still, nur der Regen ist zu hören und das mehr oder weniger deutliche Atmen und leise Schnarchen der Hunde. So sitze ich denn mit meinem Buch und höre ihnen zu. Und deren Stimmung ist ansteckend: ausgetobt, satt, zufrieden, warm, friedlich und – schläfrig. Ich lasse mich anstecken und schließe die Augen zu einem gemeinsamen Schläfchen – mitten am Tag. Wenn ich morgen gefragt werde, was ich so getan habe, lautet meine Antwort: Nichts, ein wunderbares, luxuriöses Nichts. Man sollte sich in manchen Dingen einfach an seinen Hunden ein Beispiel nehmen, neben vielem anderen können sie das nämlich auch perfekt, Nichtstun… Foto: © chalabala / Fotolia.com

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