Luxus-Köter – sind wir wirklich hundefreundlich?

Unsere Hunde haben es gut. Sie werden liebevoll versorgt, haben ausreichend Futter, Wasser, Auslauf, schöne Liegeplätze, sind mit uns zusammen und werden medizinisch versorgt. Ein Rundum-Sorglos-Paket sozusagen. Was sie jedoch nicht haben, ist die Kontrolle über diese Ressourcen und auch im weitesten Sinne nicht über ihr Leben. Ich bestimme, wann es wieviel Futter gibt. Wann, wie und wie lange nach draußen gegangen wird. Was sie dort tun dürfen und was nicht. Wann aufgestanden wird und wann das Licht gelöscht.Überspitzt könnte man sagen, dass sie alles haben was sie brauchen, aber nichts zu tun…Wenn sie selbst bestimmen könnten, sähe manches sicher anders aus.

Manou würde gerne mehr Wild hetzen, Hannah sich von ausgegrabenen Mäusen ernähren, nachdem sie sich in stinkenden Unrat gewälzt hat, Paul würde gerne mehr das Rübenfeld nach Wild durchstöbern, Manfred würde gerne stundenlang toben. Nach einem Bericht über das Leistungshüten deutscher Schäfer wurde mir klar, dass ausgerechnet diese Schäferhunde wohl ein paradiesisches Leben haben. Sie sind jeden Tag mit ihrem Besitzer zusammen und tun die Arbeit, die ihnen im Blut liegt. Ein anstrengendes Leben sicherlich und wahrscheinlich schlafen sie auch nicht auf einem Sofa, aber dennoch glaube ich, dass diese Hunde zufrieden sind. So gesehen wären meine Hunde sicher zufriedener, wenn sie mindestens zweimal die Woche auf eine Niederwild-Jagd mit uns gehen könnten und das tun, wofür sie gezüchtet wurden und wo ihre Fähigkeiten liegen. Nun hat nicht jeder die Möglichkeit, seine Hunde derart auszulasten. Das ist auch nicht nötig, denke ich. Es ist auch nicht unbedingt erforderlich, mit seinem Hund Agility-Parcour zu rennen, wenn man dazu keine Lust hat. Wer Hundevereine haßt, muss keinesfalls nur dem Hund zuliebe dort mitmachen, schon gar nicht will ich für einer Dauerbespaßung unserer Hunde plädieren.

Und trotzdem wäre es doch schön, wenn der Hund zwischendurch mal das machen könnte, was er gerne tut. Vielleicht schwimmt er gerne, warum also nicht einmal die Woche ans Wasser fahren. Oder der Hund spielt gerne mit anderen – es gibt Hunde-Freilauf-Wiesen oder man verabredet sich mit anderen Hundebesitzern. Vielleicht liebt der Hund das Apportieren? Wie wär’s mit fünf Minuten Frisbee-Spielen während eines Spazierganges? Oder der Hund sucht einen Tennisball im hohen Gras. So lächerlich manche Hunde-Kunststücke auch sein mögen, manchem Vierbeiner macht es Freude, toter Hund zu spielen oder auf Anforderung die Pfote zu geben. Eher zufällig hat Paul gelernt, ein irgendwo in der Wohnung herumliegendes Stofftier zu suchen, wenn man ihn auffordert. Vielleicht möchte sich ihr Hund auch körperlich austoben. Wie wär’s dann mal mit dem Fahrrad statt zu Fuß? Manfred beispielsweise liebt es, endlich ein ihm angemessenes Tempo und er ist begeistert von gelegentlichen Wettrennen Rad-Hund. Ich sehe hier viele Hunde, die nahezu ausschließlich an der Flexi-Leine spazieren gehen. Das ist sicher bequem und in manchen Fällen möglicherweise auch angeraten. Umso mehr wäre es doch schön, wenn der Hund zwischendurch etwas machen könnte, das ihm Freude bereitet und seinem Menschen auch. Anpassungsfähig wie unsere Hunde nun mal sind, geben sie sich zwangsläufig mit wenig zufrieden. Dabei ist es eigentlich so einfach, ihnen ein bißchen mehr zu geben. Nicht mehr Luxus, sondern mehr Herausforderung und Betätigung.

So, und nun nehme ich mir meinen Text zu Herzen und schaufle einige Minuten frei – nur für meinen Hund und mich…

Foto: © javier brosch - Fotolia.com

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