Manni, der Türsteher

(von Sophie Ting) Manfred, unser Golden-Rüde schläft vorzugsweise an der Eingangstür. Da meine Mama ja alles für diesen Luxushund tut, liegt dort schon eine weiche Decke und jeden Abend wird kontrolliert, ob der „kleine Hase“ auch wirklich warm eingekuschelt ist. Von wegen klein, inzwischen ist er ja ein richtig stattlicher Rüde geworden, da ist dieser Raum im Türrahmen eigentlich schon sehr eng für ihn. Aber gut, frei nach dem Motto „Dein Wille geschehe“, liegt er dort nun und macht keine Anstalten sich einen neuen Platz zu suchen.

Für mein Alter bin ich kein Nachtschwärmer, doch komme auch ich manchmal später nach Hause. Wenn ich dann nachts auf den Hof fahre, schlafen alle Bewohner unseres Hauses schon. Daher gehe ich ganz leise zur Haustür und lösche das Licht in der „Tenne“, bevor ich die Eingangstür öffne. Ich öffne die Tür behutsam und vorsichtig, schiebe meinen Fuß unter den Spalt zwischen Treppenabsatz und kaltem Boden. Erst wenn diese Prozedur geschafft ist, öffne ich die Tür ganz. Auf meinem Fuß liegt – wie soll es auch anders sein – Manni. Ich schiebe ihn langsam ein Stückchen nach vorne, damit der Arme nicht rausfällt und ich leise ins Haus komme. Am Ende steige ich über die Schlafmütze und hoffe, dass er einfach weiterschläft. Denn wenn unser Türsteher nicht schläft, verfolgt er mich auf Schritt und Tritt. Die Badezimmertür ist direkt daneben, also quetscht er sich dann mit ins Bad, setzt sich vor mich und schaut mir aufmerksam beim Zähne putzen zu. Auch in der Küche beobachtet er genau, was ich tue. Nicht nur ein Türsteher, auch ein Verfolger.

Da ich nicht so hundebegeistert bin wie der Rest meiner Familie, ist meine Regel: KEINE Hunde in meinem Zimmer und eigentlich auch nicht in der oberen Etage.Das weiß auch unser Nachtschwärmer – nur von meinem Vater wird er zu diesem Unsinn angestiftet und beide freuen sich, wenn ich mich darüber aufrege, wie Manni mein Zimmer in Unordnung bringt oder gar auf mein Bett sabbert. Nachts jedoch begleitet mich Manni als echter Gentleman nur bis zur Treppe und schaut mir dann doch etwas sehnsüchtig nach, bis ich kurz stehenbleibe und flüstere: „ Kleiner, dein Platz ist in der Tür. Leg dich wieder hin. Wir sehen uns morgen.“ Wenn ich oben bin, liegt Manni schon wieder an seinem Platz und schläft weiter.

Als Wachhund ist der liebe Manfred vielleicht nicht geeignet, doch er kann wirklich ganz süß sein als nächtliches Begrüßungskommando – obwohl mich Hunde ja eher nerven…

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.