Marie, bisher überlebt

Ein neuer Welpe ist bei uns eingezogen. Die 8 Wochen alte Hündin ist so klein wie charmant und wickelt in Windeseile alle menschlichen Kontaktpersonen um den Finger. Spannend war die Frage, wie wohl die anderen Hunde auf sie reagieren würden. Nach unserer Erwartung würden sie die Kleine mit liebevollem Blick betrachten und sofort in die Hundefamilie aufnehmen, ein einhelliges Willkommen also. In der Realität war die Reaktion eher so: „Nicht dein Ernst. Bring das Teil sofort wieder weg…“ Nach den ersten Tagen hatte sich eine gewisse Besserung ergeben. Manfred, der Golden Rüde: „Ok, du bist hier. Halte Abstand und stör mich nicht.“ Paul, der Cocker: „Wenn du mir zu nahe kommst, töte ich dich.“ Und Babette, die Golden-Hündin: „Welcher Welpe? Ich sehe keinen.“

Marie, die Kleine, war so klug, genügend Abstand zu halten. Andererseits startete sie zu jeder nur möglichen Gelegenheit eine Charme-Offensive, die eigentlich fast immer ins Leere lief. Aber sie gab nicht auf. Folgte den Großen auf Schritt und Tritt, warf sich auf den Boden, machte Spielaufforderung. Kurzum, sie strengte sich echt an mit scheinbar wenig Erfolg. Jetzt ist sie zwei Monate bei uns und so langsam hat sich bei den anderen dreien wohl die Erkenntnis durchgesetzt, dass dieses lästige, kleine Wesen nicht einfach wieder verschwindet. Eher im Gegenteil – bei allen Menschen findet sie immer wieder viel Beachtung. Manfreds Grundeinstellung hat sich nicht sehr verändert. Sie pendelt zwischen wohlwollender Nicht-Beachtung im Haus, freundlicher Duldung im Garten, wenn sie ihm mal wieder wie ein Schatten folgt und grobmotorischer Rücksichtslosigkeit, wenn sie bei den kurzen, gemeinsamen Spaziergängen seinem Bewegungsdrang im Weg steht. Da gilt es schon, sie vor ihm in Sicherheit zu bringen. Aber inzwischen hat sie selbst bemerkt, dass man besser nicht in Manfreds Laufbahn gerät. Paul ist immer noch sauer. Er benimmt sich wie ein mürrischer, schlecht gelaunter, Kinder-hassender älterer Onkel, mit dem nicht gut Kirschen essen ist. Bisher hat er sie dreimal verdroschen. Das erste Mal, als sie zu nahe an seinen persönlichen Distanz-Rahmen kam. Das zweite Mal, als sie es wagte, an „seiner Beute“ zu schnuppern, die er einen halben Meter vor sich abgelegt hatte. Und das dritte Mal, als sie eher unabsichtlich direkt neben ihm unter einem Stuhl sitzen wollte. Alle Male hat sie so laut geschrien, dass wir sie schon beim Tierarzt sahen. Er beißt allerdings nicht, sondern praktiziert eine Art „Luftschnappen“. Einmal jedoch verursachte er so einen Hautriss, der ziemlich blutete. Aber über die Zeit hat sich folgendes ergeben: sie ist vorsichtig und er resigniert langsam. Zumal sie inzwischen genauso groß und schwer ist wie er. Ein Burgfrieden sozusagen.

Babette ist immer noch sehr gut darin, Marie einfach nicht wahrzunehmen. Und Marie ist gut darin, ihrerseits Bewunderung und Zuneigung zu zeigen. Die beiden sind sehr viel zusammen und liegen auch gemeinsam in meinem Büro. Bei aller Nichtbeachtung ist doch Babette die erste, die nach dem Rechten sieht, wenn Marie kurz aufjault. Tatsächlich behält sie die Kleine immer gut im Blick. Inzwischen machen sie lange, gemeinsame Ausflüge in die äußerste Ecke unseres Gartens und widmen sich Erdarbeiten. Seit einer Woche liegen sie nachts gemeinsam auf dem Hundesofa und Marie darf sich sogar anlehnen. Und letztlich fand ich sie in der Dämmerung nebeneinander liegend im Garten, sie hielten beide die Wacht. Nur ein Hund hat sich von Anfang gefreut über den Zuwachs – Mason, der große Collie meiner Mitarbeiterin. Zu seinem Leidwesen hat bisher keiner der anderen Hunde mit ihm gespielt oder ihn auch nur freundlich betrachtet. Marie allerdings ist restlos begeistert über diesen Riesen und er ist sehr geduldig, wenn sie ihn mit aufdringlicher Spielfreude überschüttet. Alles also in grünem Bereich soweit. Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass aus den vieren noch ein Dream-Team entwickelt. Und sie hat bisher überlebt….

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