Therapiehunde – (k)ein Steichelzoo?

Im Moment gibt es gerade ein Video auf den sozialen Medien, das einen Therapie-Hund im Einsatz zeigt. Der Patient ist ein kleiner Junge, der bei einem Autounfall schwer verletzt wurde und auch schwere Schäden des Gehirns erlitten hat. In der ersten Therapie-Sitzung ist der Junge noch sehr stark beeinträchtigt, sowohl körperlich als auch geistig. Der Therapie-Hund ist ein Golden-Retriever-Rüde, der erst einmal nur dabei ist. Der Junge wirft mit viel Hilfe einen Ball, den der Hund apportiert und liegt dann mit dem Jungen auf einer Matte. Da nimmt dieser selbst Kontakt auf, streichelt den Hund und legt auch sein Bein über ihn. Monate später hat der Junge sich wirklich erstaunlich erholt. Noch immer sind die Verletzungen sichtbar, vor allem am Bein und er leidet noch unter körperlichen Einschränkungen, jedoch kein Vergleich zur vorherigen Sitzung. Nun nimmt er selbstständig Kontakt zum Hund auf, kann gehen, wirft alleine einen Ball und spricht mit ihm. Er macht dabei einen entspannten Eindruck, obwohl die krankengymnastischen Übungen sichtlich anstrengend für ihn sind. Dabei hat er seinen Kopf auf den Hund gebettet. Der behandelnde Arzt weist darauf hin, welchen ernormen Einfluß der Hund auf die Therapie gerade bei Kindern hat. In einer Umgebung, in der nichts normal ist, bedeutet ein Hund ein Stück weit Alltag und Spiel. Das glaube ich unbesehen! Wenn ich an meine eigenen Kinder zurückdenke, so hatten unsere Hunde immer eine beruhigende und entspannende Wirkung auf sie. Noch heute sehe ich dies an meinem 14-jährigen Sohn in einer Phase, in der Coolness und Selbstfindung große Bedeutung hat. Aber alles fällt ab, wenn er abends mit Manfred spielt oder schmust, oder Paul der Cocker Spaniel auf seinem Schoß sitzt. Mir ist jedoch an diesem Video noch etwas anderes aufgefallen. Der Arzt erwähnt, dass die meisten Besitzer der Therapie-Hunde dies ehrenamtlich tun. Nun wirkt der Hund nicht übermäßig angestrengt und gestreßt. Aber es ist doch deutlich zu merken, dass dieser Einsatz für ihn Arbeit ist, die er mit seinem Besitzer zusammen erledigt. Es erfordert schon gute Kenntnis seines eigenen Hundes und auch Kenntnis über das, was von einem solchen Hund erwartet wird, um diese Arbeit zu tun. Es ist eben mehr als ein Streichelzoo. Sehr leicht kann gerade ein folgsamer Hund ziemlich überfordert werden bei dieser Aufgabe.

Wenn ich an meine eigenen Hunde denke, wären ganz sicher nicht alle für eine solche Aufgabe geeignet. Manou würde sie erfüllen, aber nur Hannah würde sie genießen. Die anderen wären in diesem Feld nicht einsetzbar mit guten Gewissen dem Hund und der Aufgabe gegenüber. So wichtig ich dieses Einsatzfeld finde, umso wichtiger ist eine fundierte Ausbildung für diejenigen Menschen, die sich darin engagieren. Und der richtige Hund dafür, denn der kann sich kaum wehren.

Wer sich das Video einmal ansehen will: http://goo.gl/8Ust3u

Foto: bucanier- Fotolia.com

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