Von felligen Monstern und toten Seesternen

Nach unseren guten Erfahrungen haben wir die Weihnachtstage mit unseren vier Hunden in Holland an der Nordsee verbracht. Eine gute Entscheidung, denn eine Bekannte war zeitgleich an die deutsche Nordseeküste gefahren mit ihrem Hund und meinte anschließend, außer Atmen wäre alles verboten gewesen – vor allem für Hunde. Die pragmatischen Niederländer haben eine einfache Reglung: von April bis Oktober ist der Stand tagsüber den Badegästen vorbehalten. Im Herbst und Winter darf ihn jeder nutzen. Und das wird auch reichlich getan. Vom Spaziergängern über Hundebesitzern, Fahrrad-Gruppen und sogar Pferden ist alles vertreten. An einem sonnigen Wochenende im Winter ist es dann fast genauso belebt und voll wie an einem Sommertag. Und trotz fehlender Vorschriften läuft es erstaunlich geordnet…

Unsere Hunde haben es genossen und doch hat jeder verschieden auf die Situation reagiert. Hannah, die Älteste, war wirklich zufrieden. Sie wackelte in ihrem Tempo über den weichen Untergrund, schnüffelte, wälzte sich im Sand, begrüßte den ein oder anderen Menschen. Natürlich auch Hunde. Und dabei entwickelte sich eine echte Vorliebe für Riesen. Sobald einer dieser Exemplare auftauchte, nahm sie Kontakt auf. Von der Dogge über den Bernadiner, Wolfhound, Landseer – Hauptsache groß. Warum es sie ausgerechnet zu diesen Hunden zieht, ist ihr Geheimnis. Besonders fellige Vertreter beglückt sie mit Spielaufforderungen.

Im Gegensatz dazu hatte Manou, ihre jüngere Halbschwester, in der ganzen Zeit keinerlei Kontakt zu anderen Hunden. So als wären diese eigentlich nicht vorhanden. Und wenn dann doch mal einer an ihr schnüffelte, drehte sie sich weg und behandelte ihn einfach wie Luft. Dafür hatte sie eine Initialzündung hinsichtlich Bällen. Leider hatte fast jeder zweite Hundebesitzer einen dabei, vorzugsweise mit einem Wurfarm und es flogen eigentlich permanent Bälle durch die Luft. Unzählige Male gab ich anderen Hundebesitzern ihre Bälle zurück, denn Manou ist wirklich schnell. Und dazwischen gab es den ein oder anderen Blick meinerseits, der sie davon abhielt. Sie hat auf jeden Fall ein hohes Potential, ein Ball-Süchtiger zu werden. Und wie die sind, konnte man am Strand gut beobachten.

Darüber hinaus entdeckte sie, dass das Meer so manches an Eßbarem bereit hält. Kleine Krabben beispielsweise oder Muscheln. An einem Morgen wurden viele Seesterne an den Strand gespült. So kam ich an einer Familie mit Kindern vorbei, die ein solches Exemplar in einer Seewasser-Pfütze betrachteten. Neugierig sah ich auch hin – der Seestern erschien mir nicht mehr sehr lebendig – als Manou aus dem Nichts auftauchte und sich den Seestern schnappte. Nur absolute Reaktionsschnelle meinerseits konnte sie daran hindern, ihn zu zerkauen und runterzuschlucken. Auf Kommando gab sie ihn aus und da lag er nun. Eines der Kinder kommentierte dies lakonisch mit den Worten: „Nu is hij dood.“, was übersetzt für mich hieß: „Dieser Hund ist ein Killer und hat den armen Seestern getötet“. Dem war leider nichts hinzuzufügen. Außer der Frage, ob sie für Hunde giftig sind. Interessanterweise gibt es relativ viele Seesterne in der Nordsee und sie sind Räuber, die sich beispielsweise an Muscheln gütlich tun. Und haben außer Enten und Möwen wenig Feinde, weil sie zum einen stachelig ins und zudem viel Kalkblättchen eingelagert haben, die eher bitter bis giftig sein können. Das führte mich zu folgendem Fazit: Manou ist nicht sehr wählerisch bei Futter und hat offensichtlich einen stabilen Magen. Und als Hundebesitzer lernt man immer dazu. Nur die sozialen Kontakte können manchmal leiden…

Foto: © imagox - Fotolia.com

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