Das Leben ist eine Baustelle

Was ist schlimmer als ein Wasserschaden in einer Wohnung – ein Wasserschaden in einer Lehmwand, wenn man gleichzeitig 5 Hunde hat. Dabei fing alles so harmlos an. Abends oder nachts, wenn alles still ist, hörte ich im Badezimmer ein leises Plätschern. Nicht unangenehm und ich schrieb es der Nachwirkung eines Traumes zu. Als allerdings mein Mann einige Tage später von ebensolchen Plätschern sprach, ging ich trotz jahrzehntelanger Ehe nicht von einer Traumübertragung aus. Es plätscherte tatsächlich in unserer Wand und das bestätigte auch der Klemptner, der daraufhin ein Loch in der Wasserleitung fand. Alles halb so wild, es wurden Trocknungsgeräte aufgestellt und eine Sanierung eines Teils der Wand geplant. Als allerdings die Arbeiten begannen, stellte sich ein massiver Schaden heraus, der die ganze Wand betraf. Nun ist unser Haus sehr alt mit dicken Sandsteinen gebaut – innen jedoch gibt es eine Fachwerk-Konstruktion mit Lehmwänden. Gutes Raumklima, katrastrophal bei Wasserschäden. Die gesamte Wand mußte herausgenommen werden, diese steht pikanterweise zwischen Küche und Badezimmer. Wie dann darin leben?

Kein Problem, meinte der Herr von der Sanierungsfirma. Die Versicherung übernimmt die Übernachtung im Hotel in dieser Zeit. Schöne Idee, aber wie mit zwei jugendlichen Kindern und fünf Hunden für längere Zeit ins Hotel ziehen? Ganz zu schweigen in welches. Vor meinem geistigen Augen entwickelte sich langsam, aber um so eindringlicher ein Horror-Szenario. Aber wer Lösungen sucht, wird auch fündig. Das Badezimmer der Kinder wurde erweitert und zumindest dieser Punkt der täglichen Hygiene gelöst. Und die Küche? Brauchen Sie nicht, meinte der Sanierer, die Versicherung übernimmt die Kosten für Restaurant. So gerne ich auswärts essen gehe, sicher nicht jeden Tag mit der gesamten Familie. Kaffeemaschine, Kühlschrank, fließendes Wasser, das ist unverzichtbar. Und so wurde eine Notküche in unserem Esszimmer installiert. Und da zeigte sich, dass wir Menschen doch eine gewisse Flexibilität aufbringen. Unser Hunde dagegen waren überwiegend stark irritiert. Ausgerechnet die Küche, dieser wunderbare Raum, in dem mindestens zweimal täglich Essen bereitet wird und dieser Vorgang mit unendlichen Interesse verfolgt wird. Die war auf einmal ganz anders. Der Korb unter dem Tisch – weg. Paul trat direkt in den Streik und kam gar nicht mehr rein. Hannah brauchte zwei Tage, bevor sie sich wieder in ihren Korb legen konnte. Schmerzlich vermisst sich das Sofa im Esszimmer, einer ihrer Lieblingsplätze. Obwohl sonst so menschenfreundlich, reagierten fast alle Hunde eher genervt auf die fremden Handwerker in ihrem Haus, die zudem noch Lärm machten. Dankenswerterweise wurde vor dem Abreißen der Lehmwand eine Art Zelt vor unserer Eingangtür gebaut, welches zumindest vor dem größten Teil an Staub und sonstigen Schmutz den Rest der Wohnung schützen sollten. Ein guter Ansatz, eine Konstruktion aus Holzbalken und Plastikfolien, mit Reißverschluss zu öffnen. Leider brach diese bereits am ersten Abend wieder zusammen. Im Überschwang, daß es nun zu einem Spaziergang nach draußen geht, verhederte sich einer der Hunde in der Folie und setzte voll auf seine Körperkräfte – dem hielt weder die Folie noch der Rest stand. Es brauchte drei weitere Anläufe, bis dieser Aufbau auch hundetauglich war.

Ich mag gar nicht daran denken, wenn es unser Schlafzimmer getroffen hätte. So sehr Paul, der Cocker, an uns hängt, das Bett ist mindestens genauso wichtig, derzeit sein Rückzugsort. Und gar nicht auszudenken, wenn Manou ihren angestammten Schlafplatz nicht mehr hätte. Insofern ist es eigentlich ganz gut gelaufen. So leben wir denn ein wenig wie auf dem Campingplatz und harren dem Fortschritt der Handwerks-Arbeiten. Die arbeiten getreu dem Vorsatz „Gut Ding will Weile haben“. Wir üben uns in Geduld, denn schlimmer geht immer. So sind wir froh, dass zumindest die tragenden Wände noch stehen und kämpfen einen täglichen, reichlich erfolglosen Kampf gegen Schmutz und Staub. Nur einen hat das Ganze nicht beeindruckt. Manfred war immer mittendrin und hat seinen Schlafplatz vor der Eingangstür trotz aller Widrigkeitebn beibehalten, jetzt sogar überdacht. Er war sogar ein wenig betrübt, dass er die Abrißarbeiten nicht persönlich begleiten konnte. Einer der Handwerker fragte etwas ängstlich, ob dieser große Hund beißen würde. „Nur Handwerker, die nicht aufräumen!“ war meine Antwort. Stimmt natürlich nicht, denn Manfred liebt Unordnung. Es gibt doch gute Gründe für Paul.

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