Smartphones und die Kunst des Hunde-Spazierganges

Eigentlich gehen wir immer zu zweit mit unseren 5 Hunden spazieren. Die Aufteilung ist ganz einfach – ich kümmere mich um meine zwei Golden-Hündinnen und mein Mann um den Rest. Mein Part ist dabei zugegebener weise der leichtere. Jetzt allerdings bin ich für eine Zeit allein und der gemeinsame Spaziergang wird zur Herausforderung. Das liegt sicherlich auch an den verschiedenen Bedürfnissen der einzelnen Hunde. Manfred muss sich vor allem zu Beginn erst mal „auslaufen“. Und das bedeutet, dass er auf dem Weg ein gutes Stück in gestrecktem Galopp voranläuft, um dann ebenso schnell wieder zurückzukommen. Das wiederholt sich auf dem Spaziergang, so dass er am Ende mindestens doppelt so viel gelaufen ist wie alle anderen. Paul, der Spaniel, ist auch ganz flink auf den Beinen. Er jedoch liebt Deckung jeglicher Form und wenn er einen Busch am Wegrand – leider gibt es nur noch wenige – durchstöbert hat, kommt er zufrieden wedelnd und komplett mit Kletten bedeckt wieder heraus.

Manou ist eine Mischung aus beidem mit einer großen Leidenschaft: Wild. Und zudem ist sie mit einem phänomenalen Gedächtnis gesegnet. Gab es an irgendeiner Stelle einmal eine Wildbegegnung, so stoppt sie, schaut sich um und wartet. Als wolle sie sagen, nun komm doch, du Reh, Hase oder anderes Getier. Das Betreten von Deckung in Form von Wildwiesen ist den Hunde verboten, aber Manou setzt doch immer wieder einen Fuß hinein, wartet dann und erhält prompt die negative Bestätigung meinerseits. Nun aber zu den wirklichen Problem-Hunden. Hannah ist zwar noch ganz gut auf den Beinen, aber sie liebt es, nach Mäusen zu buddeln oder mit ihrer guten Nase über weite Entfernungen zu erschnuppern, ob es etwas Lohnendes zum Wälzen gibt. Und sie hängt gerne hinterher. Das Kommando „Keine Mäuse“ kennt und befolgt sie, allerdings kann es sein, dass sie es sich nach einigen Metern anders überlegt und doch zu ihrem Mäuseloch zurückkehrt. Das hilft nur ein strenger Blick zurück.

Joseph, unser alter Labrador-Rüde, ist nicht mehr so gut zu Fuß. Er ist eigentlich immer ein wenig hinter uns. Leider kann es sein, dass ein Grashalm für Minuten seine Aufmerksamkeit fesselt. Da auch sein Gehör nachläßt, braucht man Augen im Rücken. Wie man aus diesen Schilderungen entnehmen kann, ist so ein Spaziergang nicht unbedingt zur Meditation geeignet, sondern erfordert permanente Aufmerksamkeit und ein Adlerauge für Verlockungen wie Wild, Reiter, Spaziergänger oder andere Hundebesitzer. Denn dann müssen sie alle an den Fuß.

Regelmäßig begegnet uns ein jüngerer Mann mit einer kleineren, etwas runden und zurückhaltenden Mischlingshündin an der Flexileine. Die könnte sicher bei ihrem Temperament auch mal ohne Leine gehen, aber dann könnte der Besitzer nicht mehr seinem Hobby frönen: während des gesamten Ganges schaut er in sein Handy. Ich warte noch auf den Moment, an dem er mal gegen einen Laternenmast läuft. Wenn er am Horizont auftaucht, nehme ich meine Hunde an die Leine. Insbesondere Joseph, der diese Hündin liebt. Aber davon bekommt er nichts mit, so vertieft ist er in sein Display. Vielleicht bin ich ja auch nur neidisch auf ihn. Fünf Hunde gleichzeitig an Flexileinen wäre schon eine Herausforderung. Und dazu noch gleichzeitig ein Video auf dem Telefon ansehen, das würde im Chaos enden. Dann doch lieber von Zeit zu Zeit ein Spaziergang mit nur zwei Hunden und viel Zeit und Ruhe, den auch zu genießen…

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.